Nur ein paar Gedanken, es soll keine wissenschaftliche Ausarbeitung werden:
Wesen eines Rechtsstaats ist es, dass die gesamte Staatsgewalt an Recht und Gesetz gebunden ist. Kein Mensch, keine Institution steht über dem Gesetz. Außerdem ist die Macht des Staates geteilt, damit es eine gegenseitige Kontrolle gibt (die einen machen die Gesetze, andere führen die Gesetze aus und unabhängige Gerichte können angerufen werden, falls jemand zweifelt, ob ein Gesetz rechtmäßig ausgeführt wird). Sehr vereinfacht gesagt.
In Deutschland gilt (glücklicherweise!) das Grundgesetz. Dort steht gleich am Anfang die meiner Meinung nach wichtigste und großartige „Erfindung“, nämlich die Menschenwürde. Was man darunter versteht, wird auch heute noch maßgeblich von Immanuel Kant geprägt.
Der Mensch darf nicht zum bloßen Objekt bzw. zum bloßen Mittel gemacht werden.
Mein Eindruck ist, dass sich viele Menschen über den Rechtsstaat (und die Demokratie allgemein) sehr lange Zeit keine wirklichen Gedanken gemacht haben und die Dinge sozusagen als selbstverständlich vorausgesetzt und hingenommen haben.
Natürlich darf man in Deutschland nicht gefoltert werden, ist doch logisch. Und wenn mir Unrecht angetan wird, rufe ich die Polizei und die hilft mir dann. Oder ich rufe das Gericht an, wo unabhängige Richter über meinen Fall entscheiden und der Verlierer in der ersten Instanz Berufung zum nächsthöheren Gericht einlegen kann, wobei die Urteilsfindung streng nach den prozessualen Regeln erfolgt.
Nach meiner Wahrnehmung dämmert es jetzt einigen Menschen, dass der Rechtsstaat kein Selbstverständnis ist und sozusagen von alleine auf alle Ewigkeit da ist. Sondern vielmehr, dass der Rechtsstaat unter Druck steht. Und verteidigt werden muss, wenn wir keine Willkürherrschaft haben wollen.
Der Druck entsteht dabei u.a. durch eine überlastete Justiz. Durch politische Angriffe, die bestimmte „Verwundbarkeiten“ des Rechtsstaats ausnutzen wollen. Und durch Frust und Vertrauensverlust in der Bevölkerung. Und der dadurch entstehenden Anfälligkeit für Parolen.
Meiner Meinung nach sollte sich jeder Mensch einmal Gedanken darüber machen, wie er zum Rechtsstaat steht und ob es nicht möglicherweise eine gute Idee wäre, sich dafür einzusetzen. Und zwar aktiv und wahrnehmbar.